Eine „Agenda 2030“ für Rastede

Bürgermeisterwahl

21.03.2019 | Rasteder Rundschau, Britta Lübbers | Rastede

Mit Alexander von Essen (CDU) hatten die Zukunftsbürger Ende Februar den letzten der drei Rasteder Bürgermeisterkandidaten zum öffentlichen Diskurs gebeten. Er wolle politische Offenheit als Haltung etablieren, so von Essens Credo.

Der Kandidat weckte Interesse, schnell waren die Plätze im Bistro am Bahnhof von den mehr als 60 Gästen besetzt. Und die hatten viele Fragen. Alexander von Essen notierte sich jede einzelne, antwortete präzise und nachvollziehbar. Schnell wurde deutlich: Hier spricht einer, für den Politik kein Neuland ist. Und der sehr genau weiß, wohin die Reise gehen soll. „Ich traue Ihnen eine politische Karriere im Land und im Bund zu“, sagte eine Besucherin. Das war nicht nur positiv gemeint. Immer mal wieder klangen in der Runde Zweifel an, ob von Essen – soll-te er Bürgermeister werden – tatsächlich in Rastede bleiben wird. „Doch, genau das ist meine Absicht“, unterstrich er.

Er sei „ein Rasteder Jung“, so stellte sich der Kandidat vor. Sein Abitur hat er an der KGS gemacht, es folgten ein Studium in Oldenburg, eine Lehrerstelle in Osnabrück und dann politische Öffentlichkeitsarbeit für die CDU. Aktuell ist von Essen persönlicher Referent des CDU-Generalsekretärs in Niedersachsen.

Er werde immer wieder gefragt, sagte der Kandidat, weshalb er nach Rastede zurück möchte. „Und die Antwort ist ganz einfach: Es ist das Heimatgefühl, das in mir wohnt. Ich möchte mit Herz und Verstand mein Zuhause mitgestalten.“ Alexander von Essen will mit den Bürgerinnen und Bürgern ein Leitbild „Rastede 2030“ entwickeln. Es brauche neue Strukturen für eine konkrete Bürgerbeteiligung (von Essen mahnte, dass der Begriff nicht zur Floskel verkommen dürfe), dazu müssten die Bürger angehört und ernst genommen werden. „Ich möchte Offenheit als Haltung etablieren.“ Ein Bürgermeister sei ein Dirigent, der nichts ohne sein Orchester wäre. Das Orchester aber seien die Bürgerinnen und Bürger.

In der anschließenden Fragerunde ließen die Besucher nicht locker, Themen waren u.a. die Inklusion, der Bereich Mühlenstraße sowie die Infrastruktur in Rastede.

„Was werden Sie für Jugend-liche, für Kinder aus Hartz-IV-Familien und für Gehandicapte tun? Warum gibt es keinen Sozialtarif für das Freibad?“, wollte eine Frau wissen. Von Essen sprach sich für mehr Barrierefreiheit aus, regte an, dass sich das Familienservicebüro noch stärker in der Jugend- und der Seniorenarbeit engagiert. Einen Sozialtarif für kommunale Einrichtungen findet er gut. „Ich nehme das mit.“ Um Jugendliche für die Kommune zu begeistern, möchte er einen Jugendgemeinderat gründen.

Ein anderes Thema war die Gemeindeentwicklung. Was den Bereich Mühlenstraße betrifft, so müsse der behutsam entwickelt werden, mahnte von Essen. Zugleich warnte er davor, den Schlosspark als Museum zu etablieren. Er sei für ein lebendiges Quartier, in dem sich Jogger und Ruhesuchende, Jüngere und Ältere gleichermaßen wohlfühlten. Zum Thema Bauen erklärte der Kandidat: „Natürlich müssen wir Angebote schaffen.“ Wichtig aber sei, den Spagat zwischen dem Machbaren und dem Notwendigen hinzubekommen.

Ob er Rastede als „faire Gemeinde“ voranbringen möchte, lautete eine andere Frage. Ja, sagte von Essen, der Einkauf fairer Produkte für das Rathaus könne einer von vielen kleinen Schritten sein. Die Gemeinde sollte ökologisch mit guten Beispielen vorangehen. Doch ein solcher Prozess brauche Zeit.

Angesprochen auf den Tourismus in Rastede erklärte von Essen, mehr Angebote für Wohnmobilisten machen zu wollen. Auch möchte er verstärkt Touristen aus den benachbarten Niederlanden, aber auch aus Oldenburg und von der Küste auf Rastede aufmerksam machen. Der Gemeindenorden wiederum sei gut geeignet für Kanutouristen. „Wir müssen dieses Feld in der Breite entwickeln, dann bekommt jeder etwas vom Kuchen ab.

“Politik und Verwaltung würden viele wichtige Themen unter Ausschluss der Öffentlichkeit aushandeln, lautete eine mehrfach vorgebrachte Kritik aus der Runde. „Dieser Eindruck ist falsch“, entgegnete von Essen. „Aber es stört mich, dass der Eindruck da ist. Das muss sich ändern.

“Was ihn prädestiniere, vorausschauender zu handeln als seine Vorgänger, wollte ein Gast wissen. „Ich möchte die Zukunft für die nächste Generation gestalten. Ich bin jung und daher selbst ein Teil dieser Generation“, lautete von Essens Antwort.